Für diese Handschrift sind folgende Beschreibungen vorhanden

  • Scarpatetti Beat Matthias von, Die Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen, Band 2 Abt. III/2: Codices 450-546: Liturgica, Libri precum, deutsche Gebetbücher, Spiritualia, Musikhandschriften 9.-16. Jahrhundert, Wiesbaden 2008, S. 44-46.
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  • Scherrer Gustav, Verzeichniss der Handschriften der Stiftsbibliothek von St. Gallen, Halle 1875, S. 152.
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St. Gallen, Stiftsbibliothek St. Gallen, Cod. Sang. 464
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Scarpatetti Beat Matthias von, Die Handschriften der Stiftsbibliothek St. Gallen, Bd. 2: Abt. III/2: Codices 450-546: Liturgica, Libri precum, deutsche Gebetbücher, Spiritualia, Musikhandschriften, 9.-16. Jahrhundert, Wiesbaden 2008, S. 44-46.

Handschriftentitel: Aus der Liederbuchsammlung des Aegidius Tschudi: Heft der Bass- und Diskantstimme
Entstehungszeit: 16./2 Jh.
Frühere Signatur: Alte Signatur N. 92 [& 91]
Beschreibstoff: Papier. Wasserzeichen grosse Blüte, wohl 12-blättrig, nur jeweils ein Viertel derselben oben links sichtbar.
Umfang: A,B+25+Y,Z Folia
Format: 14,5 x 21/21,5
Seitennummerierung: Zeitgenössische Tinten-Foliierungen Tschudis; im Bassteil sichtbar 2-6, im Diskantteil 1-11, Ergänzung resp. Fortsetzung mit Bleistift im 20. Jh.
Lagenstruktur: Zwei Hefte in einem Band.
Zustand: Die Blattecke über der neuen heutigen Signatur ist ausgeschnitten; Rest der alten Signatur in rot ist sichtbar.
Seiteneinrichtung: Der Schriftspiegel, 10,5/11 x 16/17 und var., umfasst jeweils 5 Notenzeilen, welche durch Blindlinierung begrenzt sind.
Schrift und Hände: Der Quartband ist angelegt und ziemlich sicher ganz, auf jeden Fall zur Hauptsache, geschrieben von Aegidius Tschudi.
Musiknotationen: Teilweise präzise, teilweise improvisierter geschriebene Mensuralnotation auf 5 Linien, f. 6v-10r ist eine nachtragsartige, gegen Schluss hastig notierte Partie. Dasselbe im Diskant-Heft, wo die Zusätze f. 20r einsetzen und ab 24r nur noch Notizen mit unkaudierten Noten vorliegen.
Buchschmuck:
  • Anfänglich in jedem Heft reicher ausgeführte spätgotische rote und blaue Init. und Liedtitel, diese Ausführung im ersten Heft f. 1r-6r, im zweiten f. 14r-20r; einzelne rote Init. haben noch nass auf das Gegenblatt abgedruckt.
  • In beiden Heften teilweise Rubrizierung und rote Strichelung.
Einband: Einband 18. Jh., Halbleder und ocker koloriertes und maseriertes Papier auf Karton, vgl. die Bände der Kollektaneen Tschudis in der Abteilung IV der Hss. (Scarpatetti [s.u.]). Die ff. A, Y, Z sind Vorsatz des 18. Jhs., nicht aber das von Tschudi zu Eingang nicht foliierte Bl. B.
Hauptsprache: lateinisch, französisch
Inhaltsangabe:
  • Br-v, 1r-25r [Aus den Liederbüchern des Aegidius Tschudi (lateinisch, französisch): Bass- und Diskant-Hefte]
    • Br-v, 1r-12v Bassus
      • (Br) Titulus et Conspectus ff. 1v-6v
      • (1r) Preter rerum seriem …–… Saluator mundi. Hÿpomixolÿdius. 2. Benedicta. Hÿpomixolÿdius. 3.
      Der fest angelegte Teil bis f. 6v umfasst die 8 Cantica des Conspectus, welcher aber keine Komponistennamen aufweist. Im Nachtragsteil folgt (7r) eine Melodie Hercules dux ferrariae, Rest der Seite leer, alsdann überwiegend französische Cantica und Canones, bei denen jede Seite mit a.5. überschrieben ist. (10v-11v) leer, rastriert. (12r-v) Toni psalmorum et antiphonarum: hypoäolisch, phrygisch, mixolydisch, hypomixolydisch.
    • (13r-24r) Discantus sex vocum
      • (13v) [Conspectus.] Aufgeführt sind 20 Cantica, mit Streichungen und Änderungen.
      • (14r-25v) Cantica. Josquin. Preter rerum seriem …–… Septimus. Sextus. Quintus. Auch hier endet der sorgfältig angelegte Teil f. 20r Mitte, anschliessend bis 24r die nachgetragenen Lieder.
      Genannt sind in beiden Teilen die Komponisten Josquin Desprez, Vannius/Wannenmacher, Robertus Fabri, Andreas Crütz, Loyset Compère, Heinrich Isaak, Balduin (gestrichen), Jean Richafort, Leo papa X.
    • (24v-25v) Toni psalmorum
      • (24v-25r) Schemata der Melodien nach den Tonarten,
      • (25v) Tonleitern der 8 Kirchentöne und ein kleines Systema der Haupt- und der Untertöne (Dorius, Hypodorius, usw.), abschliessend die Kadenzen der 8 Kirchentöne.
    Bis dato nur Teilpublikationen zu Liedern der jeweils präsentierten oder untersuchten Komponisten. S. das (teilweise) analoge Heft der Diskant- und Altstimme Cod. 463 (mit weiterer Lit.) und die dort reichere Liste der angeführten Komponistennamen. Arnold Geering, Die Vokalmusik in der Schweiz zur Zeit der Reformation, in: Schweizerisches Jahrbuch für Musikwissenschaft 6, 1933, unsere Hs. p. XV; Cristle Collins Judd, Reading Renaissance Music Theory, Cambridge 2000, p. 321.
Erwerb der Handschrift: Besitzeinträge Tschudis f. Br Aegidius Scudus Glareanus Heluetius possessor, f. 13r Aegidio Scudo Viro Glareano attinent [sic], beide von der Hand des jungen Tschudi. Mit dem Nachlass Tschudis 1768 in StiBSG. Alte Signatur N. 92 [& 91] f. Br.
Bibliographie:
  • Tschudi, Nachlassverzeichnis (1767), Nr. 91, 92;
  • Duft, Die Tschudi-Handschriften in der Stiftsbibliothek St. Gallen, in: Abtei 1 (1990), p. 171;
  • Scarpatetti, Handschriften 547-669 (2003), Reg. p. 398.