St. Gallen, Stiftsarchiv (Abtei Pfäfers), Cod. Fab. XVI

Jurot Romain (unter Mitarbeit von Rudolf Gamper), Katalog der Handschriften der Abtei Pfäfers im 
Stiftsarchiv St. Gallen, Dietikon-Zürich 2002 (Studia Fabariensia; 3), S. 73-79.

Avec l'aimable permission de Urs Graf Verlag, Dietikon. L'éditeur détient l'ensemble des droits de publication.
Titre du manuscrit: Jean de Mandeville, Antichrist(Endkrist)-Bildertext
Origine: Oberrheinisch (?)
Période: zweites Viertel des 15. Jahrhunderts
Support: Papier. Wasserzeichen: Bl. 3-121 Schlüssel Piccard III 278, 287 (1432-1434); Bl. 122 Ochsenkopf Piccard VI 256-257, späte, auf 1436 datierte Form. Fälze aus Pergament. Rissen und Lücken restauriert oder mit neuerem Papier ergänzt: Wasserzeichen Bl. 109 Bär, St. Gallen Ende 17. Jh.; Bl. 2 Hund, 20. Jh.
Volume: 124 Blätter
Format: 29,5 x 21,5 cm
Numérotation des pages: Zählung der Blätter innerhalb der Lagen. Neuere Foliierung: I. 1-123.
Composition des cahiers: 10 VI122. Vor Bl. 3 wenigstens 2 Blätter herausgeschnitten. Lagenzählung b, tercius - nonus sexternus,
Mise en page: Tintenliniierung, Schriftraum 21 x 16, zweispaltig (7,5), 116v-118r, 119v-120r einspaltig, 25-34 Zeilen.
Type d'écritures et copistes: Buchkursive von einer Hand.
Décoration:
  • Rubriziert, rot gestrichelt.
  • 111v-116r rote Abschnittzeichen.
  • 2-3zeilige rote Lombarden.
  • 152 kolorierte Federzeichnungen im Mandeville-Text, 57 im Antichrist(Endkrist)-Bildertext, einige nicht ausgeführt (z.B. 53va, 53vb), ebenso die Fremdsprachenalphabete (13vb-14ra, 23rb, 40vb, 47ra, 51rb, 52rb, 82va, 90rb).
    • 1. Buch
      • 8rb Wappen mit Helmzier, Engel als Wappenhalter.
      • 8vb Autorenbild: Mandeville, auf einem Pferd reitend, hält eine Schriftrolle; im Hintergrund ein von zwei Engeln gehaltenes Tuch.
      • 9va Reiterstandbild des Kaisers Justinian in Konstantinopel.
      • 10ra Leidenswerkzeuge Christi in Konstantinopel: das Kreuz mit einem Nagel, der Schwamm mit dem Rohr, der ungenähte Rock Christi.
      • 11va Leidenswerkzeuge Christi in Paris: ein Nagel vom Kreuz, die Speerspitze, die halbe Dornenkrone Christi.
      • 14rb Abbildung nicht ausgeführt.
      • 14v Drachengestaltige Tochter des Ypocras auf der Insel Langho frisst einen Menschen.
      • 15va Ein Jüngling öffnet auf der Insel 'Sarlatens' das Grab seiner Geliebten.
      • 20vb Schwarze Bewohner des Mohrenlandes (Nubien).
      • 21rb Faun, halb Mensch mit Hörnern, halb Ziege, kommt zu einem Eremiten in Ägypten und bittet ihn um Erlösung durch Christus.
      • 21va Brandaltar, auf den sich der Phönix stürzt, um nach drei Tagen aufzuerstehen.
      • 22ra (1) Drei ägyptische Hühner aus dem Bruthaus in Kairo. (2) Baum mit länglichen Paradiesäpfeln.
      • 22rb Baum mit sogenannten Adamsäpfeln.
      • 23rb Abbildung nicht ausgeführt.
      • 23vb (1) Immergrüner Garten in Sizilien. (2) Die Schlangen küssen ehelich geborene Kinder.
      • 24ra Brennende Felder (Vulkane) in Sizilien.
      • 24rb Enthauptung der hl. Katharina und Marterung des hl. Markus in Alexandria.
      • 25rb (1) Gott spricht zu Moses aus dem brennenden Dornbusch auf dem Berge Sinai. (2) Grab der hl. Katharina auf dem Sinai mit den ewig brennenden Ampeln sowie den Tauben und Raben, die jährlich an einem bestimmten Tag Ölzweige bringen.
      • 26rb Moses schlägt Wasser aus dem Felsen.
      • 26va Weingarten des Johannes des Evangelisten in der Nähe von Horeb.
      • 26vb Gott übergibt Moses die zehn Gebote; im Hintergrund ein Kloster oder eine Kapelle.
      • 27rb Ein Beduine trägt sein Zelt zu seiner Wohnstätte.
      • 28rb (1) Adam bearbeitet den Boden, Eva hält einen Sohn im Arm, der zweite liegt gewickelt neben ihr. (2) Adam hackt den Boden, Eva spinnt Garn.
      • 28vb Baum im Tale Mambre, der bei Christi Kreuzestod verdorrte.
      • 29rb Geburt Christi: Maria, Josef und Kind mit Ochs und Esel.
      • 30rb (1) Verkündigung der Hirten auf dem Felde. (2) Anbetung der hl. Könige.
      • 31ra Säule, an der Christus gegeisselt wurde.
      • 31rb (1) Die Kreuze Christi und der beiden Schächer. (2) Die vier Kreuzesnägel Christi.
      • 31va Joseph von Arimathia mit dem Leichnam Christi.
      • 32rb Hl. Grab in der Grabeskirche in Jerusalem.
      • 32va Kreuzigung Christi mit Maria und Johannes.
      • 33ra (1) Steinigung des hl. Stephanus im Tal Josaphat bei Jerusalem. (2) Jesus reitet auf dem Esel durch das Tor von Jerusalem.
      • 36va Judas erhängt sich an einem Baum.
      • 37ra Herausgerissen.
      • 37vb Taufe Christi im Jordan.
      • 38ra Versuchung Christi durch den Teufel auf dem Berge.
      • 39ra Loths Weib, in eine Salzsäule verwandelt.
      • 40va Die Kleidung der Samaritanen.
      • 40vb Abbildung nicht ausgeführt.
      • 41rb Verkündigung an Maria in Nazareth.
      • 41va Brunnen Gabel, in dem Maria Windeln wusch und aus dem Christus Wasser nahm.
      • 42ra Jüngstes Gericht auf dem Berge Tabor.
      • 42vb Speisung der Fünftausend. Vermehrung der Fische und Brote.
      • 43ra Tauben tragen in Syrien Briefe von einem Land in das andere.
      • 46vb Tataren essen Fische und Wolfsfleisch.
      • 47ra Abbildung nicht ausgeführt.
      • 47rb Säule des Herkules (Meerenge von Gibraltar).
      • 47va Satyrn auf dem Berge Atlas.
      • 47vb Das siedende und tobende libysche Meer erscheint höher als das Land.
      • 48rb Grosse Hunde in Albanien bezwingen selbst Löwen.
    • 2. Buch
      • 48va Erdscheibe.
      • 49vb Jungfrau mit dem Sperber auf der Sperberburg in Armenien.
      • 50rb Arche Noahs im Meer (beim Berg Ararath).
      • 51rb Abbildung nicht ausgeführt.
      • 52ra Reiche Kleidung der Männer und ärmliche Tracht der Frauen in Chaldäa.
      • 52rb Abbildung nicht ausgeführt.
      • 53ra Kämpfende Amazonen.
      • 53rb Amazonen belagern eine Burg.
      • 53va Abbildung nicht ausgeführt.
      • 54ra (1) Schwarzer Äthiopier und schwarze Äthiopierin in ihrer Tracht. (2) Schlechtes Wasser macht die Äthiopier krank.
      • 54rb In dem Gebirge von Äthiopien wohnen Leute mit nur einem Fuss, der aber so gross ist, dass er ihnen, liegen sie auf dem Rücken, Schatten spendet.
      • 55ra Das schlechte Wasser des Flusses 'India' macht die Menschen bleich.
      • 56ra Indien hat merkwürdige Tiere, besonders grosse Mäuse.
      • 56va Indische Pfefferstauden.
      • 57rb Abbildung nicht ausgeführt.
      • 57v Das Wasser des Brunnens in der Stadt Palumbe ist wohlschmeckend und verjüngt.
      • 58rb Handreliquie des Apostels Thomas mit dem Reliquienschrein in der Stadt Calamya.
      • 59ra Herausgeschnitten.
      • 59rb Menschen des Landes 'Lamorien' essen Arme und Beine von Kindern.
      • 59va Schiff mit Seemann, der sich in der südlichen Hemisphäre nach dem Polus Antarcticus richtet.
      • 60rb Muskatnusssträucher.
      • 61va Bäume in Pachen oder Calamach geben Saft, aus dem man Mehl und Zucker macht.
      • 62vb Der König von Calonach mit seinen Frauen und dreihundert Kindern.
      • 63ra Der König von Calonach zieht mit vierzehnhundert Elefanten zu Feld; Alexander der Grosse sammelte gegen dieses Heer Wildschweine, deren Grunzen die Elefanten nicht ertragen können.
      • 64ra (1) In Calonach werfen sich an drei Tagen im Jahr die Fische an das Land, so dass man sie leicht greifen kann. (2) In Calonach findet man Schneckenhäuser so gross wie ein Schiff.
      • 64rb In Cassa, Dracorde, Dodin werden die Siechen an Bäumen aufgehängt und von den Vögeln gefressen.
      • 64va (1) Die Menschen lassen ihre Kranken von grossen Hunden erwürgen, damit sie rasch sterben. (2) Ein Mann tötet einen anderen; wer die meisten getötet hat, wird in grossen Ehren gehalten.
      • 65rb (1) Der Priester fragt den Abgott, ob ein Siecher sterben soll; dann wird er erdrosselt und es wird ihm die Kehle durchgeschnitten. (2) Die Verwandten essen den Toten auf.
      • 65va (1) Zwei geharnischte Riesen auf den Andamanen-Inseln. (2) Einäugige Riesen mit Keulen und Schwert.
      • 65vb Kopflose Menschen, die das Gesicht auf dem Rücken tragen.
      • 66ra Menschen mit tellerförmigem Gesicht ohne Nasen und Lippen oder mit Lippen, die bis zum Bauch reichen.
      • 66rb Stumme Zwerge mit einem Löchlein als Mund, durch das sie Speisen mit einem Rohr einsaugen.
      • 66va Behaarte Menschen, die auf Händen und Füssen laufen.
      • 66vb (1) Hermaphroditen mit einer Brust, halb männlich, halb weiblich gekleidet. (2) Menschen, die auf den Knien gehen.
      • 67ra Kenophali, die hundsköpfigen Einwohner des Königreichs Macameron, beten Rinder an und gehen nackt.
      • 68ra Drache, der Cocodrillus heisst und Menschen und Tiere verschlingt.
      • 68rb Elefant mit Schlangen im Land 'Pfillen'.
      • 68va Berg mit einem See, der aus den Tränen von Adam und Eva nach ihrer Vertreibung aus dem Paradies entstand.
      • 68vb Gänse mit zwei Köpfen und Löwe von der Grösse eines Rindes.
      • 69rb (1) Die Frauen im Königreich Manchi sind schön, die Männer haben einen Katzenbart. (2) Weisse Gänse mit roten Kämmen in Manchi mit Schlange.
      • 69vb Fischotter im Königreich Manchi.
      • 70rb In einem Bergkloster bei Caysaye empfangen Einhörner und Meerkatzen Almosen.
      • 71ra (1) Pygmäen betreiben keinen Landbau. (2) Ein Nachbar der Pygmäen pflügt das Land.
      • 71vb Leere Schiffe vor der Stadt Mecho.
      • 76va Der Khan verbirgt sich vor seinen Feinden unter einem Baum, auf dem ein Vogel sitzt.
      • 79va In Tatarien sehen Frauen und Männer gleich aus.
      • 80rb (1) Tatarische Kriegerin reitet ohne Sporen. (2) Tatarin am Pflug.
      • 80va (1) Tatarinnen besiegen ihre Feinde mit List. (2) Sie schneiden ihren Feinden die Ohren ab und essen sie mit Essig.
      • 81ra Einen Verstorbenen setzen sie in einem Zelt an einen gedeckten Tisch, geben ihm seinen Panzer und zwei Pferde mit einem saugenden Füllen.
      • 82va Abbildung nicht ausgeführt.
      • 84va Menschen mit Schnäbeln.
      • 84vb Kleine Tiere wachsen im Land des Priesters Johannes in Indien auf den Bäumen.
      • 85ra Bäume tragen in Hibernia birnenartige Früchte, denen, wenn sie ins Wasser fallen, kleine Enten entwachsen.
      • 85rb (1) Äpfel in Cadille sind so gross wie Pferdeköpfe. (2) Bäume, die Muskatnuss und anderes Gewürz tragen.
      • 85va Bäume, die grosse Nüsse mit flüssigem Inhalt tragen. (2) Trauben, von denen ein Mann nur eine tragen kann.
      • 86va Gott schliesst die Juden in den kaspischen Bergen ein; nur die Amazonenkönigin kann zu ihnen gelangen.
      • 86vb Ypocamas, die Menschen fressen, wohnen in Backarie.
      • 87ra Greifen, halb Vogel, halb Löwe in Backarie.
      • 88va Sprechende Papageien in Persien.
      • 89va Goldene Berge und Bäume in dem Land des Priesters Johannes.
      • 90va Sandmeer, aus dem Fische hervorbrechen, in Indien.
      • 90vb Kleine Bäume wachsen in einem Gebirge in Indien bei Sonnenaufgang aus dem Sand, nach dem Mittag verschwinden sie wieder.
      • 91ra Behaarte stumme Wilde mit Hörnern in der Wüste.
      • 91rb Wildlebende sprechende Papageien in der Wüste.
      • 92rb Das furchtbare Haupt in dem Tal bei Milcorath.
      • 93vb In Tierfelle gekleidete Riesen fressen Schiffbrüchige.
      • 94ra (1) Frauen mit Basiliskenaugen, die mit ihren Blicken töten. (2) Schafe grösser als Ochsen.
      • 94va (1) Bei der Geburt eines Kindes weinen alle, weil das Kind der Not der Welt ausgesetzt ist. (2) Beim Tod freuen sich alle.
      • 95rb Lindwürmer, Codrille genannt, fressen Menschen in Indien.
      • 95va Der Gerfan mit dem langen Hals.
      • 95vb 'Camalion' in Hundegestalt.
      • 96ra (1) Grosse Schlangen, aus deren Mäulern giftiger Geifer trieft. (2) Igel so gross wie Schweine.
      • 96rb Indischer Elefant und Lutherans bzw. Undentes, ein Pferd mit drei Hörnern auf der Stirn.
      • 96va (1) Sechsbeiniges Tier mit Klauen, Riesengans. (2) Indische Fledermaus von der Grösse eines europäischen Raben.
      • 96vb Frauen in Genesoph, die nur mit ihrem Haar bekleidet sind.
      • 98ra Zwerge im Pictanierland, die sich nur von Äpfeln ernähren.
      • 98rb Behaarte Leute in Indien, die sich im Wasser wie auf dem Lande bewegen und sich von rohen Fischen ernähren.
      • 98va Vier- bis fünfhundertjährige Priester im Land des Priesters Johannes.
      • 99ra Der Mond- und Sonnenbaum trägt Balsam, dessen Genuss langes Leben spendet.
      • 99va Pferd mit Füllen sammelt in Körben Gold.
      • 99vb Versuchung von Adam und Eva durch die Schlange im Paradies.
      • 100ra Irdisches Paradies, wo die vier Paradiesflüsse entspringen.
      • 100vb Vor dem Paradies stehen zwei steinerne Säulen: Alexander-Gades und Herkules-Gades.
      • 101vb Stirbt in Riboch ein Mann, so zerhacken die Priester den Leichnam, und die Vögel tragen die Stücke fort.
      • 102v In einem Lande in Indien wird derjenige König, der die längsten Fingernägel hat.
      • 104vb Mohammed war zuerst ein Kameltreiber.
      • 105vb Der betrunkene Mohammed wird von seiner Frau beklagt.
      • 106va Der betrunkene Mohammed in den Armen des Eremiten.
    • Endchrist
      • 108rb Herausgeschnitten.
      • 108va Jakob weissagt seinem Sohn Dan die Zukunft.
      • 108vb Die gehörnte Schlange Cerestes beisst einen Reiter; die Schlange Coluber ruht im Schatten.
      • 109rb-vb Weggerissen. Der Zyklus zeigt an dieser Stelle normalerweise die Zeugung und die Geburt des Antichrist, den Antichrist mit zwei Frauen und den Antichrist, der in Chorazin Zauberkünste lernt sowie Ankunft des Antichrist in Kapharnaum. Von den letzten drei Bildern ist 109vb ein schmaler Streifen erhalten.
      • 110rb (1) Der Antichrist wird in Jerusalem beschnitten. (2) Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem durch die Juden. (3) Die Propheten Elias und Henoch kehren aus dem Paradies auf die Erde zurück.
      • 110vb (1) Henoch predigt gegen den Antichrist. (2) Elias predigt gegen den Antichrist. (3) Der Antichrist lässt sich als Sohn Gottes anbeten.
      • 111rb (1) Der Antichrist predigt eine neue Lehre und ein neues Gesetz. (2) Das Meer erhebt und senkt sich auf Befehl des Antichrist. (3) Der Antichrist lässt einen dürren Baum erblühen.
      • 111vb (1) Der Antichrist lässt einen geharnischten Riesen aus einem Ei schlüpfen. (2) Der Antichrist bezeichnet einen Juden mit einem Stab auf der Stirn mit einem Glaubenszeichen. (3) Ein Bote des Antichrist verkündet die Rückkunft des wahren Gott-Messias.
      • 112v (1) Die Juden verehren den Antichrist, vielleicht die roten Juden, die aus den Kaspischen Bergen ausgebrochen sind. (2) Die Amazonenkönigin zieht mit ihren Gefolge zum Antichrist.
      • 113rb (1) Die Geschlechter aus Libyen und der Heidenschaft ziehen zum Antichrist. (2) Das Volk aus dem Mohrenland zieht zum Antichrist. (3) Die Könige von Ägypten, Libyen und dem Mohrenland ziehen zum Antichrist.
      • 113vb (1) Der Antichrist schenkt den drei Königen Gold und Silber. (2) Der Antichrist bezeichnet die Ägypter mit einem Stab auf der Stirn mit seinem Glaubenszeichen. (3) Der Antichrist lässt eine Säule von künftigen Dingen reden.
      • 114rb (1) Der König von Libyen führt den Antichrist zum Grab seines Vaters und seiner Mutter. (2) Der Antichrist lässt Vater und Mutter des libyschen Königs auferstehen. (3) Der König von Libyen und die Libyer erhalten Glaubenszeichen auf der Stirn.
      • 114va (1) Der Antichrist bezeichnet den König des Mohrenlandes und seine Bewohner mit dem Glaubenszeichen. (2) Bekehrte werden von Boten zum Antichrist gebracht, wo sie ihn anbeten.
      • 115r (1) Der Antichrist lässt seine Gegner foltern. (2) Verfolgte Christen verstecken sich in Höhlen.
      • 115va (1) Der Antichrist sitzt auf dem Thron; zwei Gläubige beten ihn an. (2) Ein Diener des Antichrist köpft die Propheten Elias und Henoch.
      • 116ra (1) Ein hungriger, aus dem Versteck zurückgekehrter Christ wird am Verkaufsstand abgewiesen, weil er das Glaubenszeichen des Antichrist nicht trägt. (2) Ein Engel erweckt die Propheten Elias und Henoch.
      • 116v (1) Der Antichrist täuscht seinen Tod vor. (2) Der Antichrist aufersteht am dritten Tag und lässt Feuer vom Himmel auf seine Jünger fallen.
      • 117r (1) Der Antichrist kündigt auf dem mlberg im Kreise seiner Anhänger seine Himmelfahrt an; er wird vom Erzengel Michael erschlagen. (2) Die führerlosen Anhänger des Antichrist geben sich beim Festmahl mit Musikbegleitung einem ausschweifenden Leben hin.
      • 117v Elias und Henoch predigen den rechten Glauben und die Furcht vor dem Jüngsten Gericht.
    • Die Fünfzehn Zeichen vor dem Jüngsten Gericht
      • 118r 1. Zeichen: Das Meer erhebt sich höher als alle Berge. 2. Zeichen: Das Meer verschwindet.
      • 118va 3. Zeichen: Fische und Meeresungeheuer schreien. 4. Zeichen: Das Meer und alle Gewässer brennen. 5. Zeichen: Bäume und Kräuter schwitzen Blut, die Vögel versammeln sich. 6. Zeichen: Alle Bauwerke stürzen zusammen.
      • 118vb 7. Zeichen: Steine fliegen durch die Luft. 8. Zeichen: Beim Erdbeben fallen Menschen und Tiere zu Boden. 9. Zeichen: Einebnung der Erde.
      • 119ra 10. Zeichen: Die Christen kommen aus dem Gebirge und aus den Höhlen hervor. 11. Zeichen: Gräber öffnen sich und die Toten auferstehen. 12. Zeichen: Sterne fallen vom Himmel, alle Tiere versammeln sich.
      • 119rb 13. Zeichen: Alle Menschen sterben. 14. Zeichen: Himmel und Erde brennen. 15. Zeichen: Himmel, Erde und Menschen erstehen neu.
      • 120r Weltgericht.
Ajouts: Notazeichen von späterer Hand.
Reliure: Alte Holzdeckel, mit braunem Leder bezogen, 15. Jh. Rücken und Hinterdeckel neu mit Leder bezogen. 2 neue, nach vorn greifende Langriemenschliessen; vor der Restaurierung waren die Langriemenschliessen auf dem vorderen Deckel befestigt. Fotos der verschwundenen originalen Messingteile im Restaurierungsbericht. Titel- und Signaturschilder vom Rücken abgelöst separat: Papierschild des 17. Jhs. (mit UV-Lampe) Chronica Othoni […] Dietm […] ingen […] onici zu Metz MS. Auf 123r geklebt Papierschild des Restaurators von 1990 Louis Rietmann & Co. St. Gallen; sein Name auf dem hinteren Spiegelblatt eingepresst.
Sommaire:
  • Spiegelblatt vorn Von einer Hand des 15. Jhs. Johanne de Monte Villa in Luttringen.
  • Ir-v leer
  • 1r Verse Welcher sich nit walt lassen fatzen, der huot sich von den closter katzen …–… wo er sol hin uss.
  • 1v-2v leer
  • 3ra-107va Jean de Mandeville: Reisen
    Filiation: (deutsche Übersetzung von Otto von Diemeringen).
    Ich Otto von Diemaringen ein thůmherre ze Metze im Lotoringen …–… von engel land von der statt heisset sant Alban.
    • hg. v. Sven Martinsson, Itinerarium orientale. Mandeville’s Reisebeschreibung in mittelniederdeutscher Übersetzung, Lund 1918.
    • Ernst Bremer, Art. Mandeville, Jean de, in: Verfasserlexikon, Bd. 5, Sp. 1209f.
    • Ridder, S. 86 (Sigle Sg1).
  • 107vb-120r Antichrist(Endkrist)-Bildertext. Hie vahet an des End Cristes leben genomen uss den bůchen …–… heiligen geschrifft bewissent es etc. Benedicamus domino. Deo gratias etc. Est finis.
    • Georg Steer, Art. Antichrist(Endkrist)-Bildertext, in: Verfasserlexikon, Bd. 1, Sp. 400f. (Hs. erwähnt, irrtümlich Stiftsbibliothek St. Gallen)
    • (118r) Fünfzehn Vorzeichen des Jüngsten Gerichts.
      • Hans Eggers, Art. sub verbo, in: Verfasserlexikon, Bd. 2, Sp. 1013-1020;
      • Christoph Gerhardt und Nigel F. Palmer, .xv. signa ante iudicium. Studien und Texte zur Überlieferungsgeschichte eines eschatologischen Themas. Preprint des Katalogteils, Oxford/Trier 1986, S. 13 (Sigle K 16).
  • 120v-122r leer
  • 122v Federproben und Verse. Von Händen des 15. Jhs. Buler werck; Lass varen vass nit bliben wyll […] ; Narren ratt und buler werck, ein statt gebuwen uff ein berk , darunter Surrburg. Celtita virg (?) divinoque in fides algamati
  • 123r-v leer
  • Spiegelblatt hinten Federproben. Von Händen des 15. Jhs. Stultorum manus depingunt latera domus. Walther, Proverbia, Nr. 30432. Narren ratt und buler […] (wie auf 122v).
Origine du manuscrit: Nach der Sprache Übergangsgebiet vom Südschwäbischen zum westlichen Niederalemannisch (Ridder). Die Grundlagen für die Lokalisierung nach Augsburg und Ulm (Bräm) und an den Bodensee (Konrad) sind nicht ersichtlich.
Provenance du manuscrit:
  • 122v Surrburg [= Surbourg, Frankreich, Bas-Rhin], 15. Jh.
  • Hintere Innenseite (Spiegelblatt) Auctor huius operis monachus est Novicastrensis ex Surburgo [Surbourg] natus Valentinus est vocatus, 15. Jh.;
  • MMM misteriorum Michaele et singnifer [!] archangele ascendente (?) protinus, 15. Jh.;
  • Anno domini millesimo quinquagesimo; Anno domini millesimo cccc (?) sexagesimo sexto in die Gregorii intravi monasterium Celle Marie; Karolus dux Burgundie, 15. Jh.
  • 1r W.K. mit Geheimschrift kgln sokpa dn igla;
  • W.K. 1518 Hab froed mit sorgen. Nün gott.
  • 3ra Monasterii Fabariensis, 17. Jh.
  • 1r Notiz des Stiftsarchivars Bonifaz Flury († 1836) Johannes de Montevilla (Anglus 1322) dessen Chronik oder Reisebeschreibungen aus dem Italienischen und Lateinischen übersetzt von Otto de Dietmaringen canonicus in Metz. (Impostura imposturarum).
Bibliographie:
  • Bruckner, Scriptoria, Bd. 1, S. 85, Taf. XLVI;
  • Die Abtei Pfäfers, S. 131 Nr. 22;
  • Vogler, Kostbarkeiten, S. 48;
  • Restaurierungsbericht vom 28. 2. 1990;
  • Klaus Ridder, Jean de Mandevilles Reisen. Studien zur Überlieferungsgeschichte der deutschen Übersetzung des Otto von Diemeringen, München/Zürich 1991, S. 85f. (Sigle Sg1);
  • Kommentarteil von Werner Vogler in den Jahresagenden der Druckerei Hermann Brägger AG St. Gallen 1995-1998 und 2001;
  • Bräm, Buchmalerei, S. 185, Anm. 6;
  • Bernd Konrad, Die Buchmalerei in Konstanz, am westlichen und am nördlichen Bodensee, in: Buchmalerei im Bodenseeraum 13. bis 16. Jahrhundert, hg. v. Eva Moser, Friedrichshafen 1997, S. 292f.