Aarau, Aargauer Kantonsbibliothek, MsBN 47
Bretscher-Gisiger Charlotte / Gamper Rudolf, Katalog der mittelalterlichen Handschriften der Klöster Muri und Hermetschwil, Dietikon-Zürich 2005, S. 93-95.
Titre du manuscrit:
Période: 14. Jahrhundert
Support: Pergament
Volume:
155 Blätter
Format: 13,5 x 9 cm
Numérotation des pages: Neuere Foliierung: I–IV. 1–151.
Composition des cahiers:
(II-1+1)IV + 2 IV16 + V26 + II30 + IV38 + V48 + (III+1)55 + 2 IV71 + VIII87 + 2 IV103 + 3 VI139 + II143 + (V-2)151; nach Bl. I ein Blatt herausgeschnitten, Bl. IV an Bl. III geklebt, Bl. 144 und 145 an Bl. 151 geklebt, nach Bl. 151 fehlen zwei Blätter. Die Lage Bl. 72–87 verbunden: Bei der Restaurierung wurden irrtümlich zwei Lagen (Bl. 72–75 /84–87 und Bl. 76–83) zu einer Lage zusammengefügt. Bl. 1–48 Lagenzählung i–vi, Bl. 55–95 Reklamanten, teilweise stark beschnitten.
Mise en page:
Tinten- und Stiftliniierung, Schriftraum 9–10 x 6,5–7, 19–20 Zeilen.
Décoration:
- Rubriziert, Überschriften rot, am Rand rote Stellennachweise.
- 2zeilige blaue und rote Lombarden, 1r 2zeilige rote Lombarde mit blauem Fleuronné, 5v 4zeilige rot-blau ornamental gespaltene Initiale mit Fleuronné in den gleichen Farben; im blauen Binnengrund ein helles Fabelwesen in schwarzer Federzeichnung, Fleuronnéstab in Rot und Blau.
Ajouts: Korrekturen von den Schreiberhänden, z. B. 46r, 92r, 135r. IIIv–IVr Nachtrag, 14. Jh.; Iv und 142r–151v Nachträge, 14.–15. Jh.
Reliure:
Mit rotem Leder bezogene Holzdeckel, 14.–15. Jh. Streicheisenlinien, Einzelstempel, eine nach hinten greifende Langriemenschliesse mit Messingbefestigungen, Lederband und Messingschliesse neu. Neue Kapitale mit weissem Lederflechtwerk. Auf dem Rücken oben in Tinte … Bůchlin (?), darunter Papierschild kopfstehend No S S S, so auch in Tinte auf dem hinteren Deckel; Signaturschild M.s.B.N. 47. Im vorderen Spiegel [S]uch nach sant Agthun (Agathe, 5. 2.) den ersten nüwen man. Dar nach der erste sunnendag ist dü alt fasenacht, 14. Jh., sowie mit Tinte Signatur Ms. bibl. (W. 1 a durchgestrichen) N 47.
Langue principale: In hochalemannischer Mundart geschrieben.
Sommaire:
- Ir Besitzeintrag, sonst leer.
- Iv Antiphona maior de BMV. Nachtrag. Salve regina misericordie, vita, dulcedo et spes nostra … AH 50 Nr. 245.
- IIr Notiz.
- IIv-IIIr leer.
- IIIv-IVr Evangelienperikope. [I]n principio erat … Io 1,1–14. >Des schribers pfleg der süsse crist und des dem dis güschriben ist. Amen.<
- IVv Datumsregel. Sůch na dem zwelften tag den nehsten nüwen man … Ähnlich auch auf dem vorderen Spiegelblatt.
-
1r-141v
Büchlein der ewigen Weisheit.
- Prolog. Es stůnt ein brediger ze einer zit nach einer meti vor einem crucifixus …
- Text: f. 5v >Wie etlichü menschen von got unwissentliche werdent gezogen< Hanc amavi. Et exquesivi a iuventute mea et quesivi michi sponsam assummere. Disu wort dü stant geschriben in der wisheit bůch …–… von der ewigen wisheit gerochen werden. Amen. >Minne gotte vor allen dingen<
- Heinrich Seuse, Deutsche Schriften, hrsg. Karl Bihlmeyer, Stuttgart 1907, S. 196–325;
- Handschrift erwähnt S. 14* als Aarau Kantonsbibliothek B 98. 1. a. Alois Haas, Kurt Ruh, Artikel Seuse, Heinrich, in: Verfasserlexikon2, Bd. 8 (1992), Sp. 1109–1128.
- 141v Notiz. Hic gerit karus homo faber gemit latitudo.
-
142r-145r
Lob der Jungfräulichkeit.
Nachtrag.
>Von megtlicher … [beschnitten]<
Dis ist gesprochen von megtlicher wirdkeit. Ein predier sprach: Und wer ein mensche also riche als der küng Alexander …
- (142v) Der lesmeister von Friburg brůder Johannes von Hasla, der sprach: Keme der solden von Babiloni und spreche zů einer jungfroͧwen … Käppeli, Scriptores, Nr. 2348, Marlies Hamm, Artikel Johannes von Freiburg, in: Verfasserlexikon2, Bd. 4 (1983), Sp. 610.
- (143r) Do sprach brůder Johans von Liechtenberg do er vil von megtlicher ere gebrediet hatte … Käppeli, Scriptores, Nr. 2602, Loris Sturlese, Artikel Johannes Picardi von Lichtenberg, in: Verfasserlexikon2, Bd. 4 (1983), Sp. 709.
- 145r-146v Gebetslehre. Nachtrag. >Dis ist meister Erhartz lere.< Der mensch der dis pater noster spricht mit andacht der wirt gewert dz im ünser her gött[l]icher bekantnüsse me git denne fünfhunderten die älli gůt sint …–… und kum mir ze helf in mines todes not. Amen. Fünf Pater noster.
-
146v-151v
Predigt.
Nachtrag.
Ich han zwei wörtelin gesprochen in der latine dz ein wörtelin stat geschriben in der leccien …–…
und der heilig gesit. Amen.
>Bittend got für den schriber.<
- Meister Eckhart, Predigten, hrsg. v. Joseph Quint, Bd. 3, Stuttgart 1976, Nr. 79, S. 363–370.
- Kurt Ruh, Artikel Meister Eckhart, in: Verfasserlexikon2, Bd. 2 (1980), Sp. 327–350.
Provenance du manuscrit:
- Ir Das büechlin ist Meliora Muchheimin zu Hermotzwyle. Kaufft ichs von einem buochbinder Zürich. Umb ein guoten guldin: Anno 1598. Meliora Muheim war Priorin in Hermetschwil († 1630).
Acquisition du manuscrit:
Spiegelblatt vorn, Iv, IIr, IVv, 1r, 72r, 141v und 151v Stempel Kantonsbibliothek Aargau, 19.–20. Jh.
Literatur:
- Bruckner, Scriptoria 12, S. 26;
- Georg Hofmann, Seuses Werke in deutschsprachigen Hand- schriften des späten Mittelalters, in: Fuldaer Geschichtsblätter 45 (1969), S. 180.