Handschrift in dieser Sammlung wählen: B26  S24 S58  S58  79/80
Standortland:
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Schweiz
Ort:
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Zürich
Bibliothek / Sammlung:
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Braginsky Collection
Signatur:
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S54
Handschriftentitel:
Handschriftentitel
Megilla Esther (מגילת אסתר) / Esther Rolle
Schlagzeile:
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Pergament · 1 f. · 22.8 x 173 cm · [Wien] · [um 1740]
Sprache:
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Hebräisch
Kurzcharakterisierung:
Kurzcharakterisierung
Diese Schriftrolle enthält eine der am erlesensten ausgeführten Reihe von Illustrationen, die in verzierten Megillot gefunden werden können. Der äusserst versierte Künstler Wolf Leib Katz Poppers modellierte detaillierte Figuren, Szenen und Tiere mit filigranen Parallel- und Kreuzschraffuren, was einen Effekt erzeugt, der den Kupferstichen aus zeitgemässen Büchern sehr ähnlich ist. Die Textspalten, die zwischen einer Blattrankenbordüre mit Tieren am oberen Rand und einer ähnlichen mit Vögeln am unteren Rand platziert sind, werden durch acht Grossfiguren aus der Esther-Geschichte unterteilt. Unter jeder dieser Figuren befindet sich eine kleine Vignette, die Szenen aus der Purim-Geschichte zeigt. Es ist ungewöhnlich, dass die gekonnt gezeichneten Figuren, die diese Schriftrolle verzieren, in Gewänder des osmanischen Hofes gekleidet sind. Die Auswahl dieser Art von Kleidung ist verblüffend, und die vielleicht überzeugendste Begründung dieser Kombination ist, dass die Rolle für ein Mitglied der kleinen, aber wohlhabenden Gemeinde türkischer Juden angefertigt wurde, die sich nach 1718 in Wien niederlassen und dort Handel treiben durften, wobei sie nach wie vor Untertanen des türkischen Sultans waren. (red)
DOI (Digital Object Identifier):
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10.5076/e-codices-bc-s-0054 (http://dx.doi.org/10.5076/e-codices-bc-s-0054)
Permalink:
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http://www.e-codices.ch/de/list/one/bc/s-0054
IIIF Manifest URL:
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Wie zitieren:
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Zürich, Braginsky Collection, S54: Megilla Esther (מגילת אסתר) / Esther Rolle (http://www.e-codices.ch/de/list/one/bc/s-0054).
Online seit:
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13.10.2016
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e-codices · 03.10.2016, 11:40:37

Wegen ihrer subtil ausgeführten Federzeichnungen gehört dieses Kunstwerk zu den qualitativ wertvollsten Megillot des 18. Jahrhunderts. Erst vor Kurzem konnte der Künstler identifiziert werden: Es ist Wolf Leib Katz Poppers, der sich «aus Hildesheim» nannte, aber ursprünglich aus Böhmen stammte. Von seiner Hand gibt es fünf weitere Megillot, von denen eine signiert und ins Jahr 1746 datiert ist. Mit seinem vollen Namen signierte Wolf Leib Katz Poppers auch ein Mohelbuch von 1745, ausserdem können ihm noch mindestens vier undatierte und unsignierte Handschriften mit Gebeten für besondere Gelegenheiten zugeschrieben werden. Es spricht vieles dafür, dass er die vorliegende und die anderen Megillot in den 1740er-Jahren in Wien anfertigte. Wegen seiner exzellenten Zeichenfertigkeit ist Wolf Poppers den besten dort tätigen Buchkünstlern, Aaron Wolf Herlingen und Meschullam Simmel, durchaus ebenbürtig.Figuren, Szenen und Tiere sind mit meisterlichen Parallel- und Kreuzschraffuren in einer dem Kupferstich sehr ähnlichen Manier modelliert. In dieser Megilla bevölkern Säugetiere und Vögel in lebendiger Bewegung die horizontalen Randstreifen vor einem zarten Hintergrund aus Blätter- und Blütenornamenten. Die Textkolumnen flankieren acht elegante Grossfiguren: Auf Ahasverus folgen Waschti, Mordechai, Esther, Haman, zwei Boten und nochmals Mordechai. Kleine Bilder mit Szenen aus der Purimgeschichte sind wie Postamente für die Grossfiguren daruntergesetzt. Sie zeigen das Bankett des Königs im Palast von Susa, die Enthauptung Waschtis, die beiden Verschwörer am Galgen, Haman und seine Frau Seresch mit den 10'000 Silberstücken für den König als Preis für die Vernichtung der Juden, das Vorlesen aus den Annalen, den Triumph Mordechais sowie Haman und seine zehn Söhne am Galgen. Die in Gewänder des osmanischen Hofes gekleideten Grossfiguren sind keine Bilderfindungen von Wolf Poppers, die Tierdarstellungen und die Zeichnungen zu den Episoden der EstherGeschichte vermutlich ebensowenig. Die Vorlagen für die Grossfiguren stammen aus dem 1703 in Nürnberg erschienenen Buch Die Neu-eröffnete Welt-Galleria, worin die Angehörigen des kaiserliches Hofstaats zu Wien, aber auch «andere hohe Häupter und Potentaten» mit ihren chrakteristischen Bekleidungen in Kupfer gestochen sind. Was lag näher, als die darin abgebildeten orientalischen «Typen» für die Figuren der im antiken Orient handelnden Esther-Geschichte zu verwenden? Ausserdem waren in Wien nach der Abwendung der osmanischen Bedrohung sogenannte «Türkerien» in Mode und daher in den dekorativen Künsten äusserst beliebt. Die Figuren der Esther-Geschichte in türkischen Gewändern darzustellen, entsprach somit dem Zeitgeschmack. Es könnte auch sein, dass diese Megilla von einem Mitglied der kleinen, aber wohlhabenden Gemeinde der Juden mit osmanischer Nationalität in Auftrag gegeben wurde, die sich ab 1718 in Wien niederliessen und dort Handel treiben durften.

Aus: Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 300.

e-codices · 03.10.2016, 11:29:32

This scroll contains one of the most finely executed series of illustrations to be found in decorated megillot. The highly accomplished, though unknown, artist has modeled detailed figures, scenes, and animals with delicate parallel and cross-hatched pen strokes. This creates an effect that is strikingly similar to the copperplate engravings of contemporary printed books. Artistic and historical evidence indicate that this megillah was most likely produced in Vienna in the first half of the eighteenth century.
Positioned between a foliate border with animals at the top and a similar one with birds at the bottom, are text columns interspersed with eight elegant full-length characters from the Esther story. The figures of Ahasuerus, Vashti, Mordecai, Esther, and Haman are joined by two messengers, and another depiction of Mordecai. Below each of these figures is a small vignette that chronicles the Purim story. Scenes include the beheading of Vashti (cat. no. 82) and Haman weighing 10,000 pieces of silver as payment to the king for permission to annihilate the Jews. The decorative and stylistic techniques employed in this scroll closely parallel those used by the foremost Jewish scribe-artists, for example, Aaron Herlingen and Meshullam Zimmel, who were active in Vienna during the first half of the eighteenth century.
It is notable that the skillfully drawn figures that embellish this scroll are dressed in Ottoman-court clothing based on figures in a volume of costume engravings titled Die Neu-eröffnete Welt-Galleria (The Newly Opened World Gallery), printed in Nuremberg in 1703. The choice of Turkish dress is intriguing. One answer presents itself: the artist was aware of the Eastern locale of the Esther story and costumed the characters in appropriately “exotic” attire. As Turkerie was popular in the eighteenth century, it is also possible that in keeping with contemporary vogue, the artist or patron chose to have the characters in the Esther story depicted in Turkish dress. The use of costume of the Turkish court in a Western eighteenth-century Hebrew manuscript is, however, unusual. Perhaps the most cogent reason for the combination is that the scroll was produced for a member of the small, affluent community of Turkish Jews who, after 1718, were permitted to live and trade freely in Vienna, while still remaining subjects of the Sultan of Turkey.

From: A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 260.

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Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 300-301.

A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 260-261.

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