Handschrift in dieser Sammlung wählen: B26  S8 S13  S58  75/80
Standortland:
Standortland
Schweiz
Ort:
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Zürich
Bibliothek / Sammlung:
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Braginsky Collection
Signatur:
Signatur
S12
Handschriftentitel:
Handschriftentitel
Megilla Esther (מגילת אסתר) / Esther Rolle
Schlagzeile:
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Pergament · 1 + 1 f. · 22.2 x 137 cm + 22.8 x 17.4 cm · Italien · um 1775
Sprache:
Sprache
Hebräisch
Kurzcharakterisierung:
Kurzcharakterisierung
Diese Megilla ist mit handgemalten, sich wiederholenden architektonischen Mustern versehen. Der Text steht abwechselnd zwischen geraden und gewundenen Marmorsäulen. Die italienischen Juden assoziierten gedrehte Säulen mit den Säulen des Salomon-Tempels, von denen sie glaubten, sie seien von Titus nach Rom gebracht und später im Petersdom platziert worden. Im Stil gleicht diese Schriftrolle den illuminierten Ketubbot, die in Ferrara und Mantua hergestellt worden waren. Zu dieser Schriftrolle gehört ein separates Pergamentblatt, das zusätzlich zu den Segenssprüchen den liturgischen Hymnus Kore Megilla enthält, den die italienischen Juden oft rezitierten. Die Rabbis waren sich nicht einig, ob eine Esther Rolle auch anderen Text als das Buch Esther enthalten dürfe. Dies führte in einigen Gemeinden zur Praxis, für die drei traditionellerweise vor der Lesung der Megilla rezitierten Segenssprüche ein ungebundenes Blatt zu erstellen. (red)
DOI (Digital Object Identifier):
DOI (Digital Object Identifier
10.5076/e-codices-bc-s-0012 (http://dx.doi.org/10.5076/e-codices-bc-s-0012)
Permalink:
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http://www.e-codices.ch/de/list/one/bc/s-0012
IIIF Manifest URL:
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Wie zitieren:
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Zürich, Braginsky Collection, S12: Megilla Esther (מגילת אסתר) / Esther Rolle (http://www.e-codices.ch/de/list/one/bc/s-0012).
Online seit:
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22.03.2017
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e-codices · 25.01.2017, 15:58:03

Throughout the eighteenth century, Italy was an important center for the production of decorated megillot and ketubbot. The art of both utilized a similar vocabulary in which columns, archways, cartouches, garlands, and urns were depicted, and a rich palette of reds, blues, and greens was employed. In terms of style, this scroll resembles the illuminated
ketubbot produced in Ferrara and Mantua.
This megillah is embellished with delicately handpainted, repeated architectural designs. The text is set between alternating straight and spiral marble columns. The Jews of Italy associated twisted columns with those of the Temple of Solomon, which they believed were brought to Rome by Titus and eventually placed in the Basilica of St. Peter in the Vatican. Spiral columns, consequently, were used to decorate objects of Judaica including megillot, ketubbot, synagogue textiles, and title pages of Hebrew books.
Accompanying this scroll is a separate sheet of parchment that, in addition to the benedictions, contains a liturgical hymn, korei megillah, recited by the Jews of Italy. Rabbis disagreed as to whether a scroll may include any extraneous text that is not part of the book of Esther. In some communities this led to the practice of creating an unattached sheet featuring the three benedictions traditionally recited prior to the reading of the megillah. These blessings praise God “Who sanctified us with His commandments and commanded us to read this scroll”; “Who performed miracles for our ancestors in those days at this season”; and “Who has kept us alive and has sustained us, and brought us to this season.”
This sheet also includes the benediction recited at the conclusion of the reading of the megillah that acknowledges God who “exacts vengeance for His people Israel from all their foes, the God Who brings salvation.” The rabbis decreed in the minor Talmudic tractate Soferim (14:6) that this prayer be followed by a declaration in which the righteous are praised and the wicked are condemned: “Blessed be Mordecai, blessed be Esther, blessed be all of Israel, Cursed be Haman, and may Harvonah be remembered favorably.” Harvonah, the king’s servant, a minor character in the Purim story, alerted Ahasuerus to Haman’s plot to hang Mordecai. For this small, but pivotal, contribution
to Haman’s downfall, the rabbis included him in this passage.

A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 250

e-codices · 25.01.2017, 15:51:25

Im 18. Jahrhundert war Italien ein bedeutendes Zentrum der Herstellung illustrierter Ketubbot und Megillot. Beide Genres bedienten sich eines verwandten Motiv- und Farbenrepertoires mit Säulen, Arkaden, Kartuschen, Girlanden und dekorativen Blumenvasen sowie einer reichen Palette von Rot-, Blau- und Grüntönen. Die vorliegende Estherrolle gleicht den Ketubbot aus Ferrara oder Mantua.
Die gemalte Bogenarchitektur dieser Rolle ist von einer ausserordentlich eleganten Leichtigkeit, wie sie auf anderen zeitgenössischen Exemplaren nur selten zu finden ist. Zum Eindruck rokokohafter Verspieltheit tragen die abwechselnd geraden roten und gedrehten blauen Säulenpaare ebenso bei wie die stuckähnlichen Ornamentmotive. Gedrehte Säulen assoziierten die Juden Italiens mit den Säulen des salomonischen Tempels, die der Legende zufolge nach der Eroberung Jerusalems von Titus nach Rom gebracht und später in der Peterskirche des Vatikans aufgestellt wurden. Sie finden sich auf Ketubbot und Megillot, auf synagogalen Textilien und auf Titelblättern hebräischer Bücher.
Auf einem separaten Pergamentblatt sind die Segenssprüche zusammengestellt, die vor dem Lesen der Rolle zu rezitieren sind. Sie preisen Gott: «der du uns geheiligt durch deine Gebote und uns befohlen, die Megilla zu lesen», «der du Wunder erwiesen an unseren Vätern in jenen Tagen zu dieser Zeit», «der du uns hast Leben und Erhaltung gegeben und uns hast diese Zeit erreichen lassen». Solcher Extrablätter bediente man sich in einigen Gemeinden, um der rabbinischen Forderung nachzukommen, nichts anderes auf die Rolle zu schreiben als den Bibeltext. Auf dieser Rolle folgt Megillotden Segenssprüchen der in Italien in vielen Gemeinden rezitierte liturgische Hymnus Kore Megilla. Am Ende des separaten Pergamentblatts steht auch der Segensspruch, der nach dem Lesen des Buches Esther gesprochen wird: «Gelobt seist du, Ewiger, der du für dein Volk Israel alle seine Widersacher bestrafst, hilfreicher Gott.» Im Talmudtraktat Soferim (14:6) bestimmen die Rabbiner, an dieses Gebet solle die Preisung des Gerechten und die Verdammung des Bösen anschliessen: «Gesegnet sei Mordechai, gesegnet sei Esther, gesegnet sei ganz Israel, verflucht sei Haman und auch Harbonas sei zum Guten gedacht!» Harbona, der in der Geschichte eine Nebenrolle spielt, lenkte Ahasverus’ Aufmerksamkeit auf Hamans Plan, Mordechai an den Galgen zu bringen. Wegen dieses nur beiläufig erwähnten, aber nicht unwesentlichen Beitrags zu Hamans Bestrafung fügten die Rabbiner diese Passage ein.

Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 270

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A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 250

Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 270

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