Handschrift in dieser Sammlung wählen: B26  K54 K68  S58  63/80
Standortland:
Standortland
Schweiz
Ort:
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Zürich
Bibliothek / Sammlung:
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Braginsky Collection
Signatur:
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K55
Handschriftentitel:
Handschriftentitel
Ketubba (כתובה), Schechem (Nablus), am Jumada al-awwal 1323 nach dem islamischen Kalender (Juli/August 1905)
Schlagzeile:
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Pergament · 1 f. · 57 x 45.7 cm · Schechem · 1905
Sprache:
Sprache
Hebräisch
Kurzcharakterisierung:
Kurzcharakterisierung
Der Hochzeitsvertrag dokumentiert die Absprachen bei der Verlobung zwischen den beiden Samaritanern Temima, Tochter des Isaak, Sohn des ha-Levi Amram und Abraham, Sohn des Joseph Denufta (ha-Dinfi). Obwohl die Samaritaner sich nur auf das Pentateuch berufen, einzig Moses als Prophet anerkennen und die Tora nicht gebietet, dass die Rechte der Ehefrau durch eine Ketubba abzusichern seien, übernahmen die Samaritaner diesen rabbinischen Brauch. Sie stützten sich dabei auf Exodus 21:9 und 22:16, wo von einer Art Mitgift die Rede ist. Die Sprache ist ein samaritanisches Hebräisch in samaritanischer Schrift, die an die althebräische Schrift erinnert. Gemäss der strikten Auslegung des zweiten Gebots ist die Ketubba nur mit floralen und geometrischen Mustern in leuchtenden Farben geschmückt. (flu)
DOI (Digital Object Identifier):
DOI (Digital Object Identifier
10.5076/e-codices-bc-k-0055 (http://dx.doi.org/10.5076/e-codices-bc-k-0055)
Permalink:
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http://www.e-codices.ch/de/list/one/bc/k-0055
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Wie zitieren:
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Zürich, Braginsky Collection, K55: Ketubba (כתובה), Schechem (Nablus), am Jumada al-awwal 1323 nach dem islamischen Kalender (Juli/August 1905) (http://www.e-codices.ch/de/list/one/bc/k-0055).
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04.10.2018
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e-codices · 09.10.2018, 11:28:56

Die Samaritaner lebten seit Urzeiten in der Gegend von Schechem (Nablus), nahe ihrem heiligen Berg Gerisim. Diese noch etwa 700 Mitglieder umfassende religiöse Gemeinschaft ist heute auf zwei Siedlungsgebiete bei Tel Aviv und bei Nablus verteilt. Im Unterschied zu den Karaïten sind die Samaritaner keine jüdische Sekte, sondern leiten ihren Ursprung von den biblischen Israeliten des nördlichen Königreichs in Samaria her, wie sich die Juden auf eine Herkunft aus dem südlichen Königreich Judäa berufen. Der samaritanische Glaube beruht einzig auf dem Pentateuch und Moses allein gilt als Prophet. Trotz vielfacher Verfolgungen konnten sie eine ununterbrochene Siedlungskontinuität im Land Israel bewahren. Heute zählt ihre Gemeinschaft kaum mehr als 750 Mitglieder, die sich auf die Stadt Holon in Israel und das Dorf Kirjat Lusa am Berg Gerisim oberhalb von Nablus verteilen.
Obwohl die Tora nicht gebietet, dass die Rechte der Ehefrau durch eine Ketubba abzusichern seien, übernahmen die Samaritaner diesen rabbinischen Brauch und stützen ihn auf ihre Interpretation von Exodus 21:9 und 22:16, wo von einer Art Mitgift die Rede ist. Die ältesten erhaltenen samaritanischen Eheverträge stammen aus dem 16. Jahrhundert. Deren Sprache ist ein samaritanisches Hebräisch. Die Schrift ist samaritanisch, die an die althebräische Schrift erinnert. Gemäss der strikten Auslegung des zweiten Gebots begnügt sich der Schmuck der samaritanischen Ketubbot mit floralen und geometrischen Mustern in leuchtenden Farben. Bemerkenswert bei dieser Ketubba ist das Motiv von Halbmond und Stern. Zweifellos ist es durch das osmanische Herrschaftssymbol inspiriert, das auf vielen jüdischen Objekten aus der islamischen Welt erscheint.
Der Text enthält viele blumige Ausdrücke. Auf eine poetische Einleitungsformel in gereimten Versen folgen das Datum des Vertragsabschlusses und eine sorgfältige Auflistung der Beteiligten, dann die Vertragsbedingungen und abschliessend die Unterschriften des Priesters, des Schreibers und anderer Honoratioren der Gemeinde. Der Hochzeitsvertrag aus der Braginsky Collection dokumentiert die Absprachen bei der Verlobung einer höhergestellten Braut, nämlich Tochter des bekannten samaritanischen Hohepriesters Isaak ben Amram. Die Unterschrift für die Braut leistete Jakob ben Aaron, ein weiterer Hohepriester.

Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 222.

e-codices · 09.10.2018, 11:15:16

Believing themselves to be the true followers of ancient Israel, the Samaritans trace their origins to the biblical period. Their religious observances, which they follow strictly to this day, stem solely from the Pentateuch. Moses is the only recognized prophet; the holy place is Mount Gerizim in Shechem, rather than Jerusalem, which is not mentioned directly in the Pentateuch. Despite many persecutions, the Samaritans resided continuously in the Land of Israel. At their height they numbered more than a million (fourth–fifth century CE). Today the community, living in Nablus and the town of Holon in Israel, numbers around 725.
Although the commandment to write a ketubbah is not mentioned in the Torah, the Samaritans adopted the rabbinic custom based on their interpretation of Exodus 21:9 and 22:6. The docu- ment is commonly referred to as sefer ha-zivug (Book of Coupling) or mikhtav ha-devika (Letter [or Deed] of Bonding). It is drawn at the time of betrothal rather than at the wedding. The earliest known Samaritan contracts date from the six- teenth century. The basic language of the docu- ment is Samaritan Hebrew, written in Samaritan script, reminiscent of ancient Hebrewscript. It is drawn on one side of a sheet of paper, which is often large and ornamented. The text, inscribed in calligraphic script, employs flowery language. It is divided into three sections: an introductory poetic formula in rhyming verses; the date and an elabo- rate description of the participants; and the terms of the bond, followed by the signature of the priest, the scribe, and other community dignitaries.
Reflecting a strict interpretation of the Second Commandment, the decoration of Samaritan contracts is limited to floral and geometric designs in bright colors. In the Braginsky Collection contract an additional motif is noteworthy: the gilt crescent and star motif within the lunette at the top center. Undoubtedly this is inspired by the Ottoman imperial emblem, which also appears on Judaic objects from Islamic lands. The contract documents the betrothal of an important bride, the daughter of the noted Samaritan high priest Isaac ben Amram (1855–1932); the high priest who signed her contract was Jacob ben Aaron (1874–1916).

A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 222.

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Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 222.

A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 222.

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