Handschrift in dieser Sammlung wählen: B26  K49 K55  S58  62/80
Standortland:
Standortland
Schweiz
Ort:
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Zürich
Bibliothek / Sammlung:
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Braginsky Collection
Signatur:
Signatur
K54
Handschriftentitel:
Handschriftentitel
Ketubba (כתובה) Kyrk-Er (Chufut Kale), 29. Adar (1. Nissan nach dem rabbinischen Kalender) 5593 (21. März 1833)
Schlagzeile:
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Papier · 1 f. · 77 x 54.6 cm · 1833
Sprache:
Sprache
Hebräisch
Kurzcharakterisierung:
Kurzcharakterisierung
Die karaïtische Ketubba ist im Gegensatz zum traditionellen rabbinischen Ehevertrag ausschliesslich auf Hebräisch geschrieben und besteht ausnahmslos aus zwei Teilen: dem schetar nissu'in und dem schetar ketubba. Die Hochzeit dieser Ketubba wurde auf der Halbinsel Krim, in der bedeutenden Gemeinde Kyrk-Er gefeiert. Die zwei Abschnitte des Textes sind in Goldrahmen eingefasst und mit Blumen umringt. Gemäss der Tradition vieler sephardischer, italienischer und östlicher Ketubbot sind die Anfangsworte verziert und der innere Rahmen enthält passende biblische Passagen. Die Auflistung der Mitgift in dieser Ketubba ist länger als der Heiratsvertrag im ersten Abschnitt. Entsprechend karaïtischem Brauch wurden zahlreiche angesehene Zeugen (hier zwölf) zur Unterschrift eingeladen. (red)
DOI (Digital Object Identifier):
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10.5076/e-codices-bc-k-0054 (http://dx.doi.org/10.5076/e-codices-bc-k-0054)
Permalink:
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http://www.e-codices.ch/de/list/one/bc/k-0054
IIIF Manifest URL:
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Wie zitieren:
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Zürich, Braginsky Collection, K54: Ketubba (כתובה) Kyrk-Er (Chufut Kale), 29. Adar (1. Nissan nach dem rabbinischen Kalender) 5593 (21. März 1833) (http://www.e-codices.ch/de/list/one/bc/k-0054).
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20.12.2016
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e-codices · 29.11.2016, 15:53:43

The Karaites, or Ba’alei Mikra (People of the Scriptures), follow strictly the Written Law of the Hebrew Bible. While the Bible has shaped how they perform the commandments and conduct their religious life, constant contacts with Rabbinite Judaism influenced their traditions. One primary example is the use of a ketubbah. Although it is a rabbinical institution, the marriage contract has been an essential component of the Karaite wedding ceremony from the early Middle Ages to this day. The Karaite ketubbah, unlike the traditional Rabbinite contract, is written entirely in Hebrew. Also, it invariably comprises two parts: a) shetar nissu’in (marriage deed), a declaration of the bridegroom’s intent to marry the bride, the obligations of the marriage bond, the bride’s acceptance, and their mutual commitment to the Karaite calendar “as stipulated on Mount Sinai,” and, b) shetar ketubbah (ketubbah deed), the financial obligations of the groom, and a detailed list of the bride’s dowry (based on the mohar or bride’s price, as deduced from Exodus 22:15–16). The former section occupies the upper part of the page, and the latter, the bottom. Karaite ketubbah decoration followed the norms of the Rabbinite traditions where they lived. Eschewing figural representations, the main designs comprised floral and geometric motifs. The Karaite wedding recorded here was celebrated in the important community of Qirq-Yer in the Crimean peninsula (West Ukraine), known also by its Turkish name Chufut-Kalé (Jewish Fortress), under the government of our great master, the mighty Emperor Nicolai the first (Czar Nicholas I, 1796–1855), son of Pavel, May he live forever. Amen.” The two sections of the text are set within frames, painted with gold, and surrounded by flowers. In the tradition of many Sephardic, Italian, and Eastern ketubbot, initial words are decorated and appropriate biblical passages, such as that of the marriage between Ruth and Boaz at the city gate (Ruth 4:11–12), are included in the inner frame. The dowry list is longer than the text in the first section; in accordance with Karaite custom, many respected witnesses (here 12) were invited to sign the contract.

A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 54.

e-codices · 29.11.2016, 15:39:11

Die Karaïten, auch Karäer genannt, sind Angehörige einer jüdischen Religionsgemeinschaft, die nur dem in der Bibel festgehaltenen Religionsgesetz und ihrer eigenen Auslegungstradition folgen, die rabbinischen Überlieferungen und Kommentare hingegen strikt ablehnen. Dennoch übte das rabbinische Judentum im Verlauf der Geschichte aufgrund der ständigen Kontakte einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf die Traditionen der Karaïten aus. So übernahmen sie bereits im frühen Mittelalter den Brauch der Ketubba. Auch bei deren dekorativer Ausschmückung folgten sie den rabbinischen Vorbildern, verzichteten aber zugunsten floraler und geometrischer Muster entschieden auf figürliche Darstellungen. Die karaïtische Eheurkunde ist im Gegensatz zum überwiegend aramäischen Text der rabbinischen Ketubba ausschliesslich in hebräischer Sprache verfasst und immer auf zwei Felder verteilt. Der erste Teil schetar nissu’in umfasst die Erklärung des Bräutigams, die Ehe eingehen und die schriftlich festgelegten Verpflichtungen einhalten zu wollen, die Zustimmung der Braut und schliesslich die gegenseitige Verpflichtung des Paares auf den karaïtischen Kalender «wie auf dem Berg Sinai festgelegt». Im zweiten Teil schetar ketubba sind die finanziellen Verpflichtungen des Bräutigams und die Mitgift der Braut detailliert aufgeführt. Die Hochzeit dieser Ketubba wurde auf der Krim in der bedeutenden Gemeinde Kyrk-Er gefeiert, das auch unter der türkischen Bezeichnung Chufut-Kale («Judenfestung») bekannt ist. Die Ketubba vermerkt, dass die Hochzeit stattfand «unter der Regierung unseres grossen Gebieters, des mächtigen Zaren Nikolaus I., Sohn des Paul, möge er für immer leben, amen». Der auf der Innenseite des ornamentalen Rahmens umlaufende Text handelt von der Hochzeit zwischen Ruth und Boas vor dem Tor der Stadt (Katalog Nr. 44). Auf die lange Auflistung der Mitgift folgen karaïtischem Brauch gemäss zahlreiche – hier zwölf – Zeugenunterschriften: «Und alles Volk, das im Tor war, samt den Ältesten sprachen: Wir sind Zeugen» (Ruth 4:11).

Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 220.

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A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 54.

Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 220.

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