Handschrift in dieser Sammlung wählen: B26  K21 K29  S58  55/80
Standortland:
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Schweiz
Ort:
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Zürich
Bibliothek / Sammlung:
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Braginsky Collection
Signatur:
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K26
Handschriftentitel:
Handschriftentitel
Ketubba (כתובה), Gibraltar, ca. 1830-50
Schlagzeile:
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Pergament · 1 f. · 69.3 cm x 59.2 cm · [Gibraltar] · [um 1830-50]
Sprache:
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Hebräisch
Kurzcharakterisierung:
Kurzcharakterisierung
Das Konzept eines schriftlich festgehaltenen Ehevertrages, bekannt als Ketubba (pl. Ketubbot), wurde für manches verbreitete jüdische Brauchtum benutzt, einschliesslich der Anfertigung von allegorischen Eheverträgen für den Schawuot. Der Festtag erinnert an die Übergabe des Religionsgesetzes, in der mystischen Tradition wird es aber als der Tag angesehen, an dem Moses in der Rolle des Heiratsvermittlers das jüdische Volk (als Bräutigam) zum Berg Sinai (dem Trauungsort) brachte, um es mit Gott oder der Tora (als Braut) zu vermählen. Es gibt verschiedene Versionen dieser Ketubbot für Schawuot, wobei in den sephardischen Gemeinden das beliebteste ein Poem des berühmten Mystikers aus Safed, Rabbi Israel Najara (um 1555-1625), war. In drei Abschnitte geteilt, erscheint der spezielle Text dieser Ketubba inmitten einer imposanten Holzarchitektur, die aus drei Bögen und einem gesprengten Giebel besteht, in dem ein gekrönter Schrein mit dem Dekalog steht. Die Holzarchitektur wird mit dekorativen, dynamisch angeordneten Architekturelementen überhöht. Die Gesamtstruktur erinnert an typisch sephardische Toraschreine (ehal) aus den Synagogen in Gibraltar. Tatsächlich erscheint der Name einer dieser Synagogen, der 1799 errichteten Nefuzot Jehuda-Synagoge, in der oben angebrachten Inschrift. (red)
DOI (Digital Object Identifier):
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10.5076/e-codices-bc-k-0026 (http://dx.doi.org/10.5076/e-codices-bc-k-0026)
Permalink:
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http://www.e-codices.ch/de/list/one/bc/k-0026
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Wie zitieren:
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Zürich, Braginsky Collection, K26: Ketubba (כתובה), Gibraltar, ca. 1830-50 (http://www.e-codices.ch/de/list/one/bc/k-0026).
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13.10.2016
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e-codices · 03.10.2016, 11:39:10

Das jüdische Fest Schawuot erinnert an die Übergabe des Religionsgesetzes an Moses auf dem Berg Sinai. In der mystischen Tradition bedeutet diese Übergabe die Vermählung der Tora als der Braut mit dem Volk Israel als dem Bräutigam. In sefardischen Gemeinden Europas und auch in manchen jüdischen Gemeinden in der islamischen Welt wird für die mystische Hochzeit eine allegorische Ketubba angefertigt, deren Text in der Synagoge am ersten Tag von Schawuot vor Beginn der Lesung aus der Tora rezitiert wird. Es gibt verschiedene Texte für solche Ketubbot für Schawuot. Am beliebtesten war wohl ein Poem von Rabbi Israel ben Moses Najara (um 1555–1625) aus Safed, von dem in diesem Exemplar eine modifizierte Fassung wiedergegeben ist. Darin wird Israel, der Bräutigam, vorgestellt als «Herrscher der Herrscher, […] gesetzt über alle Völker», während die Braut als «die liebste und angenehmste, eine Jungfer reich an Tugenden, Gottes vollkommene Tora» erscheint. Gott stattet als Brautvater seine Tochter mit einer gediegenen Mitgift aus, bestehend aus Geboten und Verboten, und der Bräutigam willigt ein, diesen Bund zu halten, um das wertvolle Kapital an seine Nachkommen weiterzureichen. Er verpflichtet sich, seine Frau weder zu verlassen noch zu vernachlässigen und niemals eine zweite Frau, also eine andere Religion, anzunehmen. Das mystische Paar wird Wohnung im Land Israel nehmen, und Himmel und Erde werden seine Trauzeugen sein. Auf der Ketubba ist der Berg Sinai als Trauungsort eingetragen und als Datum Freitag, der 6. Siwan 2448 (im Jahr 1318 vor der christlichen Zeitrechnung), an dem gemäss Tradition die Übergabe des Religionsgesetzes stattfand. Der Text ist auf die drei Durchgänge einer imposanten klassizistischen Holzarchitektur verteilt. Im gesprengten Giebel steht ein Schrein mit den Zehn-Gebote-Tafeln, gekrönt von der «Krone der Tora» und mit dynamisch angeordneten Architekturelementen überhöht. Blumenfestons und Draperien unterstreichen den festlichen Charakter. Insgesamt erinnert der bühnenartige Aufbau an typisch sefardische Toraschrein-Konstruktionen (ehal), wie sie in den Synagogen von Gibraltar zu finden sind. Tatsächlich erscheint auch der Name der 1799 errichteten Nefuzot Jehuda-Synagoge in der zuoberst angebrachten Inschrift, so dass diese Ketubba mit Sicherheit einst dort rezitiert wurde.

Aus: Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 214.

e-codices · 03.10.2016, 11:38:10

The concept of a written document for marriage lent itself to some popular Jewish customs, including the creation of allegorical marriage contracts for Shavuot. As the holiday marks the Giving of the Law, mystical traditions asserted that on this day Moses, as the matchmaker, brought the Jewish people (the bridegroom) to Mount Sinai (the wedding place) to marry God or the Torah (the bride). To commemorate this mystical union, among European Sephardim and in some communities in Islamic lands the custom has been to prepare a special ketubbah for Shavuot and to recite it in the synagogue prior to the reading of the Torah on the first day of the holiday.
While several versions of ketubbot for Shavuot are known, the most popular in Sephardic communities has been the poetic text composed by the renowned mystic of Safed, Rabbi Israel Najara (1555?–1625?). A modified version of Najara’s text is employed in the present contract, in which the bridegroom, Israel, is introduced as “ruler of rulers … superior above all nations,” while the bride is “the dear and pleasant, a maiden of many virtues, God’s perfect Torah.” The father of the bride, God, provides his daughter with a substantial dowry, composed of positive and negative commandments; the bridegroom desiring to transmit these valuable assets to his descendents, willingly obligates himself to this bond. He will never take a second wife (namely, another religion), and neither abandon nor neglect her. Their dwelling will be in the Land of Israel, as Heaven and Earth witness the union. The wedding is recorded as having taken place on Mount Sinai on Friday, 6 Sivan 2448 (1313 BCE), the traditional date of the Giving of the Law.
Divided into three sections, this special text appears within an imposing wooden architectural setting, comprising three arches and a broken pediment, within which is a crowned Decalogue. The upper story employs a dynamic rhythm of decorative architectural elements. The entire structure resembles a typical Sephardic Torah ark (ehal) from the synagogues of Gibraltar. Indeed the name of one of these synagogues, Nefutzot Yehudah, founded 1799, appears at the top. Certainly this sumptuous ketubbah was once chanted there. Many other features associate the contract with the Gibraltar community and its ketubbot. Based on this example it is clear that the British crown in Gibraltar’s ketubbot (cat. no. 74) should be interpreted also as a Torah Crown.

From: A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 214.

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Aus: Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 214-215.

A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 214-215

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