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Standortland:
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Schweiz
Ort:
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Zürich
Bibliothek / Sammlung:
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Braginsky Collection
Signatur:
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B259
Handschriftentitel:
Handschriftentitel
Mischhandschrift zum jüdischen Lebenszyklus
Schlagzeile:
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Pergament · 60 ff. · 13.5 x 10 cm · Italien, kopiert von Leon ben Joschua de Rossi aus Cesena · letztes Drittel des 15. Jahrhunderts
Sprache:
Sprache
Hebräisch
Kurzcharakterisierung:
Kurzcharakterisierung
Vermutlich war diese Sammelhandschrift zum jüdischen Lebenszyklus aus dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts ein Hochzeitsgeschenk. Kopiert wurde sie von Leon ben Joschua de Rossi aus Cesena. Es beinhaltet: Gebete für die Beschneidungszeremonie; das Formular eines Heiratsvertrags aus Correggio 1452 (ohne Namenseinträge); Texte zum Hochzeitsritus, dazu einen Hymnus mit dem Akrostichon El’asar; einen Hochzeitsvertrag, 1420 in Parma zwischen Juda, Sohn des Elchanan von Ascoli Piceno, und Stella, Tochter des Solomon von Mantua geschlossen; Friedhofsgebete mit einem für Trauernde bestimmten Tischgebet; ein Ritual zur Vermeidung böser Träume; Ka’arat kesef, ein ethisches Poem des provenzialischen Dichters Jehoseph ben Hanan ben Nathan Ezobi aus dem 13. Jahrhundert; schliesslich – in fremder Hand hinzugefügt – ein persönliches Gebet von Moses Latif für Joab Immanuel Finzi. Gleich anschliessend an den Vertrag findet sich die Darstellung eines Brautpaars (f. 10v). Da Frisur, Kleidung und Schleier der Braut der zeitgenössischen Ferrareser Mode entsprechen, liegt es nahe, dass auch die Handschrift aus Italien stammt, vielleicht sogar aus Ferrara selbst. (red)
DOI (Digital Object Identifier):
DOI (Digital Object Identifier
10.5076/e-codices-bc-b-0259 (http://dx.doi.org/10.5076/e-codices-bc-b-0259)
Permalink:
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http://www.e-codices.ch/de/list/one/bc/b-0259
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Wie zitieren:
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Zürich, Braginsky Collection, B259: Mischhandschrift zum jüdischen Lebenszyklus (http://www.e-codices.ch/de/list/one/bc/b-0259).
Online seit:
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18.12.2014
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e-codices · 28.11.2014, 17:08:49

Dieses ungewöhnliche Manuskript ist eine Zusammenstellung von Texten zum jüdischen Lebenszyklus. Es umfasst: Gebete für die Beschneidungszeremonie; das Formular eines Heiratsvertrags aus Correggio 1452 (ohne Namenseinträge); Texte zum Hochzeitsritus, dazu einen Hymnus mit dem Akrostichon El’azar; einen Hochzeitsvertrag, 1420 in Parma geschlossen zwischen Juda, Sohn des Elhanan von Ascoli Piceno, und Stella, Tochter des Solomon von Mantua; Friedhofsgebete mit einem für Trauernde bestimmten Tischgebet; ein Ritual zur Vermeidung böser Träume; Ka’arat kesef, ein ethisches Poem des provenzalischen Dichters Jehoseph ben Hanan ben Nathan Ezobi aus dem 13. Jahrhundert; schliesslich – in fremder Handschrift hinzugefügt – ein persönliches Gebet von Moses Latif für Joab Immanuel Finzi. Sehr wahrscheinlich brachte der Schreiber auch die ornamentalen Federzeichnungen rund um die Initialwörter an.
Auf fol. 10r vermerkte er im Hochzeitsvertrag scherzhaft an der Stelle, wo von der Zahlung einer Mitgift die Rede ist: «Alles gelogen und falsch! Leon ben Joschua, der alles, was oben steht, dementiert.» Es ist gut möglich, dass dieses Manuskript als Hochzeitsgeschenk diente. Stärkstes Indiz für eine solche Zuweisung wären die Illustrationen auf den beiden Doppelseiten 10–12r. Dort ist das Brautpaar in jenem Moment der Trauung dargestellt, bei dem der Bräutigam der Braut den Ring an den Zeigefinger steckt. Im Widerspruch zum jüdischen Brauch, den Ring an den Finger der rechten Hand zu stecken, ergreift der Bräutigam hier die linke. Die Braut trägt eine zeitgenössische Hornfrisur mit hellem Schleier und ein langes burgunderrotes Faltenkleid mit Ärmeln aus Goldbrokat nach Ferrareser Mode. Der Bräutigam ist in einen kurzen grünen, ebenfalls gefältelten Rock gekleidet, den ein goldener Gürtel zusammenhält, und trägt orangerote Beinlinge und eine weiche Kopfbedeckung. In die üppigen floralen Verzierungen dieser Doppelseite sind zwei männliche Halbfiguren eingefügt, die möglicherweise die Trauzeugen repräsentieren sollen. Die eine von ihnen zeigt auf den Text Seder tena’im («Ordnung der Heiratsvereinbarungen»), die andere hält ein gebundenes Buch unter dem Arm und weist mit der Hand auf den Ehevertrag zurück, der auf den vorangehenden Seiten fol. 8v bis 10r steht.

Aus: Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 144-145.

e-codices · 28.11.2014, 17:02:46

This unusual manuscript is a compendium of texts related to the human life cycle. Included are prayers for circumcision; a formula for a marriage contract (Correggio, 1452, without specific names); marriage rituals with an additional hymn with the acrostic El’azar; a marriage contract (Parma 1420, between Judah, son of Elhanan of Ascoli Piceno and Stella, daughter of Solomon of Mantua); prayers recited at the cemetery with a Grace after Meals for mourners; a ritual for the amelioration of bad dreams; Ka’arat Kesef (Silver Dish, an ethical poem by the thirteenth-century Provençal poet Jehoseph ben Hanan ben Nathan Ezobi); and a personal prayer by Moses Latif for Joab Immanuel Finzi (in a different hand). On folio 10r, in the formula for a marriage contract, the scribe included an obligation for the payment of a dowry, humorously adding that “all is a lie and falsehood, Leon ben Joshua who denies everything that is written above.” It was most probably the scribe who added the decorative pen work to the initial word panels that appear throughout the manuscript.
It is quite likely that the manuscript was produced as a wedding gift. The strongest indication of this is the double-page illumination that depicts a bride and groom at the moment of betrothal as the groom puts the ring on the bride’s index finger. Contrary to Jewish custom, the ring is put on the bride’s left, rather than her right, hand. The bride wears a horned headdress, a light veil, a pleated, full-skirted gown, with sleeves of a different material, a fashion that originated in Ferrara. The groom wears a pleated, short cloak cinched with a gold belt, a jerkin, and hose. The floral border that frames the two pages includes a half-length figure of a man at either side. Possibly intended as the witnesses, the one on the right holds a book with a red velvet cover, while the man on the left points to the couple. As noted in the catalogue of the auction in which the manuscript was acquired for the Braginsky Collection, this type of illumination is consistent with that found in fifteenth-century Ferrara.

From: A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 56.

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Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection, Hrsg. von Emile Schrijver und Falk Wiesemann, Zürich 2011, S. 144-147.

A Journey through Jewish Worlds. Highlights from the Braginsky collection of Hebrew manuscripts and printed books, hrsg. E. M. Cohen, S. L. Mintz, E. G. L. Schrijver, Amsterdam, 2009, p. 56-57B.

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